Zu dieser Ausstellung

PIOTR SONNEWEND
Zur Jahreswende 2005/06 stellt der Kunstverein Borken – artline und mehr e.V.
einen Künstler vor, der europäisch orientiert ist, polnische Wurzeln in den Fokus rückt
und zugleich im Kreis Borken lebt. PIOTR SONNEWEND, Jg. 1953, studierte
Malerei, Grafik und Bildhauerei an der Kunstakademie Poznan (Posen), anschließend
Bühnenbild in Warschau. Mit 28 Jahren siedelte er 1981 in die Bundesrepublik über,
lebte zunächst in Berlin, dann in Schöppingen, wo er sich am Aufbau des Künstlerdorfes
beteiligte, und wohnt mittlerweile in Legden. Seit 25 Jahren arbeitet er auf internationaler
Ebene als freischaffender Künstler, zudem als Bühnenbildner an polnischen und
deutschen Theatern (Wolfgang-Borchert-Theater in Münster, Landestheater in Dinslaken).
Als Gastprofessor an der Kunstakademie Posen (seit 1989) und Lehrbeauftragter an der Universität-
Gesamthochschule Paderborn und der renomierten Academie voor Kunst en Industrie (AKI),
Enschede/NL,organisiert er grenzüberschreitende Kunstprojekte, in die zum Teil auch begabte
französische Nachwuchskünstler einbezogen sind.
In seinem eigenen Schaffen (v.a. Zeichnungen, Grafiken und Objekte)
zählen die Wiederholung als mehrfache Präsentation des Gleichen und
die Variation durch gezielte Abwandlung zu den wesentlichen
Gestaltungsprinzipien. Die Titel seiner Kataloge: „Unterbrechungen“,
„Aufdeckungen“, „Zeit“, „Formerinnerungen“ oder „Wiederholungen“
verweisen auf die künstlerischen Kriterien seiner Arbeit. Sonnewends
Mitgliedschaft in und Förderung durch die renommierte, mit dem
Westfälischen Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte
verbundene Aldegrever-Gesellschaft kann als Beleg für die hohe
Qualität seiner künstlerischen Arbeit gelten.
In dieser Ausstellung präsentiert Piotr Sonnewend großformatige
Zeichnungen und Grafiken zum Begriff Zeit. Selbst schreibt er dazu:
„Das Zeitkontinuum ist nur eine Täuschung unserer unvollkommenen
Sinnesorgane. Wiederholung ist meditativ. Sie wirft uns auf
Überschaubares zurück, lädt zur Überprüfung ein und zu reflektiver
Betrachtung. Das Gleiche, in seiner Wiederholung, verändert sich
durch seine neue Stellung im Zeitkontinuum.
Daraus resultiert das Paradoxon: Wiederholung ist eine Variation.“


Piotr Sonnewend, Position CMYK
(Ausschnitt), Lithografie-
Autoffsett, 4 x 100 x 72 cm

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Werke jüngeren und jüngsten Datums. Ergänzt werden sie durch
einige Arbeiten aus Sonnewends frühen polnischen Jahren, die zu Fragen nach Kontinuitäten und
nach neuen Akzenten und Wandlungen anregen sollen, die aus der Auseinandersetzung mit dem
westdeutschen Kunstbetrieb resultierten.
Zugleich liefern sie den Anknüpfungspunkt, um im Rahmenprogramm in einem Round-Table-Gespräch die
Lage der Künste in der ehem. Volksrepublik Polen zu beleuchten und die Erfahrungen von Musikern und
bildenden Künstlern in der Auseinandersetzung mit den westlichen kulturellen Verhältnissen zu diskutieren.
In einem Vortrag wird zudem das bühnenbildnerische Schaffen Piotr Sonnewends gewürdigt, in einer
Performance mit dem Künstlerkollegen Theodor Ross gibt Sonnewend Einblicke in seine Aktionskunst.
Zwei Ausstellungsführungen aus je unterschiedlicher Perspektive, zum einen durch eine Kunstdozentin
der AKI Enschede/NL, zum anderen durch den Vorsitzenden der Aldegrever-Gesellschaft, Münster, sollen
das vom Stadtmuseum Borken unterstützte Rahmenprogramm abrunden.
Mit dieser Ausstellung sucht der Kunstverein Borken – artline und mehr e.V. im lokalen Kulturgeschehen
2006 erneut einen interessanten Akzent beizutragen.

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