ZU DIESER AUSSTELLUNG

Gertrude Degenhardt – Grafik und Zeichnungen


Schon seit den 70er Jahren ist die Mainzer Künstlerin
Gertrude Degenhardt durch ihre Buchillustrationen
bekannt. Den großen Band Das sind unsere Lieder,
eine vielbeachtete Sammlung demokratisch-
emanzipativer Volkslieder der Brüder Hein und Oss
Kröger, bereicherte und interpretierte sie künstlerisch
ebenso entwaffnend und eindrucksvoll wie etwa das
Liederbuch Kommt an den Tisch unter
Pflaumenbäume
n ihres Schwagers
Franz Josef Degenhardt, Gedichte von Masha Kaléko
oder Erzählungen des Iren Liam O‘Flaherty.
Das künstlerische Schaffen Gertrude Degenhardts ist
indes weiter gespannt und umfasst schon früh Malerei,
Zeichnung und freie Grafik. Technisch bevorzugt sie die
Kaltnadelradierung, motivisch die Entwicklung von
Zyklen. Ausgehend von Mappenwerken zu
Songs Franz Josef Degenhardts oder auch Wolf
Biermanns, kreisen ihre Werke zunehmend um
schalkhaft-skurille Typen – Musiker, Trinker und Tänzer
beiderlei Geschlechts.

Ihre Arbeiten womöglich als Karikaturen zu
bezeichnen, entspräche der vielseitigen Künstlerin in
keiner Weise. „Nur ein oberflächlicher Betrachter
kann den hintersinnigen Humor, die Lebensfreude,
aber auch die Tragik in den Gestalten ... übersehen“,
schrieb der Journalist Ferdinand Puhe. Ausgestattet
mit zeitkritischem Blick und außergewöhnlicher
zeichnerischer Sensibilität, lässt Gertrude Degenhardt
hinter vordergründiger Fröhlichkeit und sanfter Ironie
tiefen Ernst, Verständnis und Mitleid für ihre
Figuren aufscheinen. „Immer sind ihre technisch
brillianten Bilder erfüllt von einer fast unglaublichen
Vitalität, von Lebensmut undÜberlebenswillen, vom
Dennoch und Trotzdem“ (Puhe). Seit den 1990er
Jahren widmete sie sich verstärkt Frauensujets und
entwickelte die Zyklen Vagabondage, Women in
Music, Vagabondage in Blue, Vagabondage en
Rouge, Vagabondage Ad Mortem mit
dazugehörenden Katalogbüchern. Vom 6. Mai bis 8.
Juli präsentiert der Kunstverein Borken – artline und
mehr e.V. im Stadtmuseum Borken einen Einblick in
das jüngere Schaffen Gertrude Degenhardts.
Zu sehen sind unter anderem Farbradierungen,
Farbpinselzeichnungen, Lithographien und
Kaltnadelradierungen aus den Zyklen Vagabondage,
Rondo, Iren am Tresen und
Das Fest kann beginnen. Insgesamt umfasst die
Ausstellung rund 100 Arbeiten.
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